Masern: „Immunamnesie“ erhöht Sterblichkeit durch andere Infektionen

Geschrieben am 04. Sep 2015 | Kategorie  Allgemein | von Ralph Melchior |

Princeton/New Jersey – Eine Maserninfektion schwächt vorübergehend die Immunabwehr gegen  andere Krankheitserreger. Diese „Immunamnesie“ dauert mathematischen Berechnungen in Science  (2015; 348: 694-699) zufolge zwei bis drei Jahre an, in denen die Kinder einem erhöhten Sterberisiko durch andere Infektionskrankheiten ausgesetzt sind.  Eine Maserninfektion hinterlässt tiefe Spuren im Immunsystem. Diese bestehen nicht nur in der  Ausbildung einer starken Immunität, die die Menschen lebenslang vor erneuten Masern schützt.
Kliniker wissen seit langem, dass es in den ersten Wochen nach der überstandenen Masernerkrankung  zu einem paradoxen Abfall der Lymphozyten kommt, der im Blutbild als Lymphopenie nachweisbar ist.  Weniger gut erkennbar, aber tierexperimentell belegt ist, dass es auch im Lymphgewebe zu einem  Untergang der Abwehrzellen kommt. Betroffen sind dabei auch die Gedächtniszellen, die die Erinnerung an frühere Infektionen speichern. Eine schwere Masernerkrankung könnte deshalb eine  vorübergehende „Immunamnesie“ hinterlassen. Die Folge wäre, dass sie nach einer Maserninfektion erneut anfällig sind für Infektionserkrankungen, gegen die sie vor den Masern bereits immun waren. Michael Mina von der Princeton Universität und Mitarbeiter liefern jetzt erstmals epidemiologische Belege für diese Hypothese. Die Forscher haben die Zahl der Masern-Erkrankungen in England/Wales, den USA und Dänemark – nur diese drei Länder verfügen über verlässliche Zahlen – mit der Sterblichkeit von Kleinkindern an anderen Infektionserkrankungen in Verbindung gesetzt.

Quelle: Aerzteblatt.de Mai 2015